Logo
Link Startseite Link 1. FC Köln Link Fanblog Link Forum Link Impressum
Pezzoni Es geht uns alle an!
08.09.2012 13:55

Eine Woche ist es nun her, dass der Vertrag mit Pezzoni aufgelöst wurde. Bewusst habe ich erstmal die ganzen Reaktionen auf mich einprasseln lassen - und sie hören einfach nicht auf. Im Gegenteil, jeder scheint eine Meinung dazu haben, also will ich dann auch mal.

Es ist auf jeden Fall eine tragische Angelegenheit und zeigt die Kehrseite einer extrem erfolgreichen Bundesliga auf. Denn der 1. FC Köln ist in diesem Punkt ja kein Einzelfall. Erstaunlich fand ich, wie schnell sich jeder eine Meinung zu diesem Fall bilden konnte, denn die Informationen tröpfelten zunächst eher kläglich aus dem Fass der Wahrheit. Trotzdem fanden sich neben Zeitungsberichten auch schnell Meinungen von Jürgen Klopp, Markus Babbel, Reinhard Rauball und nicht zuletzt von Wolfgang Holzhäuser, der vom eigenen Spieler bezüglich seiner Aussagen korrigiert werden musste. Was war passiert?

Fakt bleibt, dass der Abgang von Pezzoni eine extrem hässliche Seite der Fankultur offenbart. Wenn ein Spieler über mehrere Jahr von den eigenen Fans nur Missmut und Unverständnis kassiert, an dem kann so etwas nicht spurlos vorübergehen. Denn die Antipathie der meisten Fans (auch von mir) war eigentlich allen bekannt. Holger Stanislawski versuchte ihn wieder aufzubauen und setzte ihn demonstrativ von Beginn an in Spielen ein, übergab ihm in einem Testspiel die Kapitänsbinde und ließ sich im Fall Pezzoni nicht beirren. Er brauchte ihn und baute auf ihn. Angesichts unserer dünnen Personaldecke in der Defensive nicht unverständlich.

Doch anscheinend fand sich in den letzten Wochen eine Minderheit an Fans ein, denen es nicht mehr reichte den Spieler Pezzoni auszupfeifen und verbal zu attackieren. Wobei ich als Fan schon die Schnauze voll habe, einen eigenen Spieler bereits zur Einwechslung auszupfeifen. Nein, man maß sich an im Sinne des Vereins zu agieren und wollte Pezzoni mit allen Mitteln nur noch loswerden. Der Verein müsste ihnen dankbar dafür sein. Sie besuchten Pezzoni im privaten Umfeld, gingen ihn verbal an, spuckten auf ihn und hinterließen kleine Zettel an seinem Haus und Auto. Das hätte der FC ja auch schlecht selber machen können - wie sähe das denn aus?

Das Pezzoni am Ende nur noch weg wollte, ich kann ihn verstehen. Natürlich hätte sich medial der große Schulterschluss zwischen Verein und Pezzoni besser durchgesetzt, aber wäre hätte garantiert, dass diese Aktionen dann aufgehört hätten? Und warum sollte überhaupt ein Spieler so was durchstehen? Mit welchem Ziel?

Und wie kommt es, dass sich diese Fans über den Verein stellen und die Entscheidungsgewalt des Vorstands wie Trainer außer Kraft setzen wollen? Der FC wollte mit Pezzoni im Kader agieren. Stani baute auf ihn. Gut fand ich dies nicht, zugegeben. Aber mir würde nie in dem Sinn kommen meine kleine, einzelne Meinung mit allen Mitteln durchsetzen zu wollen. Wer bin ich, mir so etwas anmaßen zu wollen? Hier sehe ich in erster Linie kein Problem mit Hooligans, Ultras und anderen Fans, sondern eine kleine Wahrnehmungsstörung der handelnden Personen, die sich jetzt sogar über Domain zu Wort melden müssen, wenn dies denn so stimmt.

Nicht zu vergessen, dass damals auch Pedro Geromel ungewünschten Besuch vor der eigenen Haustür hatte und Christian Eichner im Kofferraum den Heimweg antrat um aufgewühlten Fans zu entgehen. Traurige Zustände sind das.

Natürlich war dieser Vorfall für die Medien ein gefundenes Fressen. Daniel Bauer war halt nur ein Provinz-Fußballer, der vorige Saison aus denselben Gründen aus Magdeburg floh. Wenn interessiert so was schon? Nein, hier musste man beim FC ansetzen. So erhoben die großen Kölner Tageszeitungen den drohenden Mahnfinger, hatten aber zuvor mit größter Freude auf diesen Spieler verbal draufgehauen. Doch Moral ist nun wirklich keine Tugend des Boulevards. Keine Sekunde lang wurde das eigene Vorgehen in Frage gestellt, sondern man zog sogar noch Nutzen daraus. So erschuf der Express die Aktion "FC-Fans zeigen der Gewalt die Rote Karte" und stellt sich hier als Moralapostel dar. Für mich ist das reine Heuchelei, denn die nächste verbale Klatsche wird trotzdem kommen.

Es muss jedem klar sein, dass der Fall Pezzoni uns alle angeht. Der Journalismus sollte wissen, dass gezielte Provokationen im Dauerbeschuss Menschen in einem gewissen Rahmen beeinflussen können. Trainer und Funktionäre anderer Vereine sollten füreinander da sein und zusammenstehen, anstatt gegeneinander zu sticheln. Der nächste Vorfall könnte vor Ihrer Haustür passieren. Und nicht zuletzt ist jeder Fan gefragt einige Dinge kritisch zu hinterfragen, wenn nötig auch den Nebenmann.

Pöbeleien, Diffamierungen und Provokationen wird es im Stadion wie außerhalb wohl immer geben. In einem gewissen Rahmen gehört dies dazu und ist nicht das Problem. Die Frage ist, welche Qualität und Ausmaße diese in Zukunft einnehmen werden. Hier ist als positives Beispiel der Fangesang von Freiburg zu nennen, die damals ihren Unmut über Idrissou verbal so lösten: "Idrissou spielt Champions-League auf PS3". Selten habe ich so eine sympathische Provokation mit Charme erlebt. Für mich ist dies die Messlatte - und nicht einen Spieler wie im Fall Pezzoni aus der Stadt zu ekeln.

Hoffen wir, dass bald der Peak der sinnlosen Gewaltkurve erreicht ist und sich wieder ein wenig mehr Anstand bei den Fans einstellt. Als Abschluss biete ich Euch hier noch ein Interview von Anfang der Woche an, als ich am vergangenen Monat von 90elf angerufen wurde:

In diesem Sinne
FC-blog

Gleich im Forum mitdiskutieren!



zurück
Info Zitate Zitatsammlung

Info Werbung
Werbung

Link twitter Link RSS-Feed Link facebook

Info Spielplan
Saison 2010/2011

Info Bundesliga
Saison 2010/2011
Saison 2010/2011


Auflösung optimiert für 1024x768 Pixel