Macht der Medien: Wer hält sich noch an die Tatsachen?
Vorbericht | 1. FC Köln : Bayer 04 Leverkusen
28.04.2011 21:45 | Guido Stollenwerk
Momentan übertreffen sich regionale wie überregionale Medien in der Interpretation der
vergangenen Ereignisse. Durchweg sind sie aber zu dem Fazit gekommen, dass Sportdirektor
Volker Finke Grund des Übels beim 1. FC Köln ist. Allerdings halte ich dies für sehr
gewagt.
Denn so schlüssig die Thesen auch präsentiert werden, im Umkehreffekt wird Ex-Trainer
Frank Schaefer als Lügner hinsichtlich seiner Äußerungen zu Finke und dem Vorstand
hingestellt. Und ob das so stimmt ist fragwürdig.
So kann ich nur jedem Fan die Pflichtlektüre des Kollegen
Spielbeobachters ans Herz legen,
der mühsam, chronologisch und nüchtern wie objektiv den Verlauf der letzten Monate
analysiert. Denn so dargestellt sieht die Sachlage ein wenig anders aus. Zwar hat Finke
das ein oder andere Fettnäpfchen erwischt, die Medien haben aber aus viel heißer Luft und
schwammigen Kenntnissen knallharte Fakten gemeißelt. Bestes Beispiel ist das "unsägliche"
Hereinreden von Finke während einer Spielanalyse.
Während sämtliche Medien es so darstellten, dass Finke Schaefer regelrecht ins Wort gefallen
sei und seine Autorität damit untergraben habe, kommt nun folgende Gegendarstellung ans Licht:
"sei Schaefer von einem Spieler in aggressivster Weise angegangen worden. So sehr, dass er,
Finke, habe dazwischen gehen müssen, um eine weitere Eskalation der Dinge zu verhindern."
Und dieses Bild spiegelt viel mehr die Realität wieder. Denn es mussten intern Vorfälle im
Kader passiert sein. Dafür spricht auch folgende Aussage: "Altgediente Spieler hätten
bittere Klage geführt, "dass sie sich nicht wie A-Jugendliche trainieren lassen wollen".
Spieler mit über 50 Länderspiele und Champions League-Erfahrung hätten gefordert, im
Training anders behandelt zu werden, als jene Spieler aus dem FC-Nachwuchs."
Und anders ist dieses Auseinanderbrechen der Mannschaft und des Zusammenhalts nicht zu
erklären. Und dies dürfte ein wichtiger Grund für Schaefer gewesen sein, der gegen einen
weiteren Verbleib als Trainer gesprochen hat. Denn Spieler wie Brecko, Petit, Mohamad und
Lanig können es eindeutig besser.
Hier ist es eher den Verantwortlichen vorzuwerfen, dass Overath, Finke und Co intern nicht
sofort der Mannschaft den Kopf gewaschen hat um Schaefer den Rücken zu stärken. So bleibt
es weiterhin, im Sinne des 1. FC Köln, die richtige Entscheidung von Schaefer, den Brocken
hinzuschmeißen. Auch wenn dieser mediale Clinch noch lange kein Ende gefunden hat darf man
darauf hoffen, dass mit der Zeit die Fakten ans Licht kommen. Doch erstmal genug davon.
Am Samstag bestreitet der 1. FC Köln sein nächstes Heimspiel gegen Bayer Leverkusen.
Sportlich gesehen haben wir nun immerhin den Bonus des Mottos "neue Besen kehren gut",
was wir aus dem Spiel gegen Hamburg ja noch trefflich in Erinnerung haben dürften. Denn
Leverkusen kann erstmal die ausgedachte Taktik über den Haufen werfen, da kein Mensch nun
weiß wie die kommende Startelf des FC aussehen wird. Wird das System beibehalten oder
geändert? Wird mehr offensiv oder defensiv agiert? Werden trotz des Trainerwechsels die
Stinkstiefel des Kaders aussortiert? Oder haben "Ziehsohn" Mohamad, "Finkefollower" Sanou
oder der Japantransfer Makino einen Finkebonus? Lanig, Petit und Brecko dürften sich auch
unter Finke alles verspielt. Jedoch liest man, dass insbesondere Mohamad und Petit wieder
Spaß am Training haben.
Leverkusen hat weiterhin das Ziel aus Köln drei Punkte mitzunehmen um weiter Dortmund im
Nacken zu sitzen. Gewinnt Dortmund jedoch am kommenden Spieltag gegen Nürnberg und
verliert Leverkusen gegen Köln ist die theoretische Hoffnung auf die Meisterschaft für
Bayer 04 dahin. Und bis jetzt ist Leverkusen noch jedes Mal auf den letzten Metern ins
Schwanken gekommen.
Unter diesen Voraussetzungen kann der FC nur gewinnen. Und das sollte er auch. Alles außer
einer Niederlage bringt den 1. FC Köln weiter. Und eins ist sicher: kein Spieler kann sich
nun noch hinter irgendwelchen Alibis verstecken. Egal in wen Finke nun sein Vertrauen
setzt, wer jetzt nicht in der Lage ist Höchstleistungen zu bringen kann uns im Kampf um
den Klassenerhalt wenig weiterhelfen. Daran wird sich auch Podolski messen lassen müssen,
so schwer ihm der Abschied von Schaefer auch fallen mag.