Richtung Reeperbahn!
Vorbericht | St. Pauli : 1. FC Köln
27.01.2011 20:45 | Guido Stollenwerk
Mit dem 3:0 Sieg gegen Bremen im Rücken war es eine angenehme Woche für den FC-Fan. Doch
langsam steigt die Spannung wieder. Kann der 1. FC Köln diese Leistung wiederholen?
Oder folgt, wieder einmal, ein weiterer Einbruch?
Als FC-Fan ist ja man so einiges gewöhnt. So folgten damals, nach dem starken Sieg gegen
Hamburg (3:2) zum Einstand von Frank Schaefer als Trainer, die herben Niederlagen gegen
Nürnberg (1:3) und Gladbach (0:4). Auch gegen St. Pauli wird es um einiges schwerer werden
als gegen Bremen. Wobei man so schwache Bremer nicht wirklich erwartet hatte. Am
Millerntor Stadion wird es nicht einfach, wobei die Statistik eindeutig für den 1. FC Köln
spricht.
Frank Schaefers Hauptproblem: Er ist gezwungen ein weiteres Mal die Abwehr neu zu stellen.
Nachdem Miso Brecko, Konstantinos Giannoulis, Tomoaki Makino, Kevin McKenna, Youssef
Mohamad und Christopher Schorch wieder ins Training eingestiegen sind, muss auf Pedro
Geromel verzichtet werden. Doch ist die Gelbsperre von Geromel gegen Pauli vielleicht eine
Spur eher zu verkraften, als wie im folgenden Heimspiel gegen Bayern München.
Nach den bisherigen Eindrücken darf man davon ausgehen, dass Makino zu seinem Debüt in der
Innenverteidigung kommen wird. Fragt sich nur, wer den zweiten Innenverteidiger stellen
wird. Ist Mohamad schon wieder fit genug? Oder spielt Neuzugang Christian Eichner erneut
Innenverteidiger und Fabrice Ehret gibt den Linksaußen? Da gegen Pauli die Defensive mehr
gefordert sein wird, wahrlich keine leichte Entscheidung.
Dazu kommt, dass trotz der guten Leistung der 1. FC Köln im schlechten Licht erscheint, da
die Diskussionen um Wolfgang Overath und der Faninitiative FC-reloaded mittlerweile äußerst
unschöne Züge annimmt. Während Overath unter anderem eine Interviewsperre gegen Liga TOTAL
verhängte, da Hauptinitiator Herr Müller-Römer als Interviewgast eingeladen war,
diffamierte man Overath auf der hauseigenen Website als "ein Bruder im Geiste von
Berlusconi" und stellte die Behauptung in den Raum, dass Lukas Podolski vom Vorstand
"instrumentalisiert" wird.
Nur, worum soll es dabei eigentlich gehen? Somit tritt die durchaus wichtige Forderung
nach weiterer struktureller Veränderung im Verein weiter in den Hintergrund. Und solange
FC-reloaded nicht begreift, dass strukturelle Veränderungen erstmal keine einzelne Person
betrifft, nicht von der medialen Schlammschlacht Abstand nimmt sowie sich nicht wieder
auf den Kern der Sache konzentrieren wird, ist diese Chance vertan. Denn eins ist klar:
Die Mehrheit der Fans will keine Störungen innerhalb der laufenden Rückrunde. Zudem hat
Claus Horstmann bisher einen guten Job gemacht und unser neuer Sportdirektor Volker Finke
tritt erst nächste Woche seinen Job offiziell an. Ein wenig Zeit sich zu beweisen sollte
man dieser Konstellation durchaus lassen.
Vielmehr beschäftig einen die aktuellen Transferdiskussionen. Nachdem Tagoe und
Choupo-Moting als Verstärkung im Sturm abgesagt wurde und Adil Chihi wieder ins Training
mit der 1. Mannschaft eingestiegen ist, stehen nun laut Express angeblich Christopher
Schorch und Kevin McKenna auf der Kippe. Allerdings vermeldete Express auch, dass der Deal
mit Tagoe schon in trockenen Tüchern sei. Tatsache ist, dass der Kader weiterhin
verkleinert werden muss. Doch könnte Schaefer dies auch nur angedeutet haben um die oben
genannten ein wenig an der Ehre zu kitzeln. Immerhin ist es bis zum Nichtabstieg noch ein
langer Weg. Warum sollten also ausgerechnet McKenna, ein loyaler, stets
aufopferungswürdiger Kämpfer als Co-Kapitän und Schorch, für den damals rund zwei
Millionen Euro Ablöse gezahlt wurde, gehen?
Ein wunder Punkt der für einen Abgang sprechen würde ist, dass der 1. FC Köln einige
"Ladenhüter" im Kader hat, deren Vermittlung nicht so einfach ist. So muss man vielleicht
doch in den sauren Apfel beißen und Spieler veräußern, die eigentlich noch Perspektive
hätten?
Sicher ist: Ein Sieg und die Formkurve des 1. FC Köln geht stark nach oben. Bei einer
Niederlage bleibt es vorerst bei weiteren Formschwankungen. Beides besiegelt nicht den
Abstieg, doch wären weitere drei Punkte Balsam auf der FC-Seele!