Nur einem Tag nach der Niederlage in Hannover ist Zvonimir Soldo als Trainer des 1. FC
Köln entlassen worden. Vor drei Tagen war sich der Vorstand noch einig "vollstes
Vertrauen" in die handelnden Personen zu haben.
Aber der Kölner ist auch für seine emotionale Gefühlslage bekannt. Bereits Konrad Adenauer
sagte einst: "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern." So führt vorerst Frank
Schaefer das Training und wird im Pokal gegen 1860 München auf der Trainerbank sitzen.
Bis heute führte Schaefer die U-23 erfolgreich auf den 4. Platz der Regionalliga West.
Vor der Entlassung erlebte Zvonimir Soldo einen ungewöhnlichen Tag, der erneut belegt wie
desaströs die Außendarstellung des 1. FC Köln ist.
Soldo wurde bereits bei der Besprechung des Vorstandes am letzten Donnerstag in Unkenntnis
gelassen. Heute erneut.
Er führte als Trainer das geplante Training, stand als Trainer zum Interview mit Sport1
bereit und wurde erneut nicht zum großen Gespräch seitens der Verantwortlichen
eingeladen.
So saß er im Hotel, schaute sich das Live-Spiel der Bundesliga an und wurde per Laufzeile
darüber informiert, dass er als Trainer entlassen sei. Zurück zu führen war dies auf die
Website des Kölner Stadtanzeigers, die anscheinend unbedingt das erste Kölner Medium sein
wollte, welches die Entlassung bekannt gibt.
Dies führte zu einigen Verwirrungen und mehrere Presseabteilungen nahmen die Nachricht
ungeprüft ins Programm auf, während ksta.de die Eilmeldung entfernte. Grund und Erklärung
der bis dahin Falschmeldung war ein "technisches Problem".
Der kicker, zum Glück noch eines der seriösesten Sportmedien, vermeldete dann erneut die
Trainerentlassung und bezog sich auf ein Telefonat mit Herrn Soldo. Auch wenn diese
Meldung nun beinahe offiziell wirkte, trauten sich nun kein anderer mehr die Entlassung
zu vermelden, bis es die offizielle Meldung über fc-koeln.de gab.
Die von vielen Seiten geforderte Entlassung vom Sportdirektor Michael Meier wurde dagegen
nicht vollzogen. Vermutlich dürfte eine Kündigung des bis zum Jahr 2014 laufenden
Vertrages Geld kosten, was der FC momentan nicht hat.
Trotzdem ist dieser Schritt schwer nachzuvollziehen. Der kicker wies nach, dass Meier die
Spieler Sasha Riether (unter Daum), Marco Reus, Ivo Ilicevic, Lewis Holtby und Shinji
Kagawa (alle diese Sommerpause) angeboten wurden und er alle ablehnte.
Zudem pochte Soldo bereits zur Sommerpause auf Verstärkungen der Außenverteidiger, in
Form von Ivan Strinic (Linksverteidiger) und Albin Ebondo (Rechtsverteidiger). Bekommen
hat er keinen von ihnen.
Wir wünschen Zvonimir Soldo alles Gute. Denn trotz der Fehlplanungen im Kader konnte man
den letzten Spielen anmerken, dass die taktische Ausrichtung fehlte, sobald offensiv
gespielt werden musste. Auch personell hatte er manche Fehlentscheidung zu verantworten.
Trotzdem ist er als einziger im Sinne des Vereins stets ruhig und sachlich geblieben und
hat sich nach außen vorbildlich verhalten. Eine Art, die nicht jeder Verantwortlicher
des 1. FC Köln vorweisen kann.