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Taktiktafel Warum die K-Frage eigentlich Nebensache ist
26.07.2011 11:10

Zum Ende der Saisonvorbereitung knallt es noch einmal mächtig am Geißbockheim. Doch wieso ist die Kapitänsfrage in Köln so brisant, während dies bei anderen Vereinen eher Nebensache ist? Und gibt es nicht eigentlich wichtigeres?

Die regionalen Medien titeln scharf. "Geromel FC-Kapitän, Riether Vize - Poldi degradiert!" (Express), "Chaos in Köln - Poldi als Kapitän ent-machtet" - "Nicht mal mehr Vize-Kapitän - Podolski gedemütigt" (Bild) waren nur einige Aufmacher. Komisch, dass überregionale Zeitungen den Kapitänswechsel ein wenig nüchterner aufnehmen: "Podolski gestutzt, Mannschaft gestützt" (Spiegel), "Poldi, spiel jetzt nicht die beleidigte Leberwurst!" (T-Online). Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Später mehr dazu.

Für mich ist jedoch der Systems- wie Taktikwechsel unter Solbakken ein weitaus wichtigeres Thema. Solbakken hat ein klares Konzept im Kopf, welches er in kürzester Zeit in Köln einstudieren muss. Keine leichte Aufgabe, gerade in Köln. Doch Erfolg versprechend ist es allemal. Mal ein bescheidener Versuch, dies ein wenig zu verdeutlichen.

Der bereits eingeleitete Systemwechsel von Ex-Trainer Schaefer (aktives Spiel), findet unter Solbakken nun perfektioniert statt. Es fängt damit an, dass die Abwehrreihe in ständiger Bewegung ist und sich möglichst schnell verschieben lässt. Abseitsstellung inbegriffen. So kann es vorkommen, dass die Viererkette fast auf Höhe der Mittellinie agiert und dem Gegner nur wenig Raum für den Spielaufbau lässt. Dies fordert von den Spielern ein Höchstmaß an Konzentration und taktischem Verständnis. Zumal sich bei Ballbesitz die Außenverteidiger auch noch Offensiv im Spielaufbau beteiligen sollen. Dass so was riskant ist und auch in die Hose gehen kann, hat man beim Spiel gegen Arsenal zu Genüge gesehen.

defensive Ausrichtung

So ist auch der Torwart ständig in Bewegung und soll versuchen mögliche Konter des Gegners mit hohen Bällen noch vor dem Strafraum zu bereinigen. Aktives Spiel des Keepers - bestes Beispiel ist dabei Manuel Neuer.

Vor der Abwehr macht sich am meisten die Systemumstellung sichtbar. Das Mittelfeld wird bei gegnerischen Ballbesitz zur zweiten Viererkette und verschiebt sich, mit nahen Kontakt zur Abwehrkette, möglichst parallel mit und macht so die Räume für den Gegner noch enger. Diese zwei Ketten verschieben sich stets mit dem Gegner vor und zurück und lassen so möglichst wenig Spielraum zu.

Während Novakovic auch defensiv weiterhin stark gefordert sein wird, ist Podolski von den Defensiveaufgaben weitestgehend befreit. Er soll seine Stärken am Strafraum ausspielen, statt sich, wie unter Schaefer, immer wieder ins Mittelfeld zurückfallen zu lassen. Zudem wird der Gegner ihm dort stets verstärkte Aufmerksamkeit widmen und kann so Löcher für seine Mitspieler reißen.

offensive Ausrichtung

Im offensiven Spiel wird das alles noch ein wenig komplizierter, zumal Solbakken zwei Varianten, abhängig nach der Stärke des Gegners, einstudieren lässt. Während des Spiels wird immer wieder auf Kommando starkes Pressing gespielt, angefangen beim gegnerischen Strafraum. Im Ballbesitz soll dann, entweder nach hin- und herschieben des Ball auf Kommando, oder sofort und explosionsartig der Angriff über möglichst wenige Stationen erfolgen. Dazu ziehen die Außenverteidiger mit nach vorne, die Außen des Mittelfeldes rücken ein und schaffen so eine erhoffte Überzahl vor dem Strafraum. Im Schaubeispiel anhand der linken Seite.

Selten haben die verschiedenen Mannschaftsteile beim FC so ineinander gegriffen und gleichzeitig auch so voneinander abhängig gewesen. Ein Aussetzer eines Spielers kann somit dem Gegner eine gefährliche Angriffssituation bieten. Und dieser Verantwortung scheint sich Solbakken durchaus bewusst zu sein. Kommen wir somit wieder zur Kapitänsfrage. Hier dürften drei Kriterien für Solbakken ausschlaggebend gewesen sein:

Umsetzung des taktischen Konzepts:

Es müssen nicht nur alle Spieler ihre genauen Aufgaben kennen, es muss stets geordnet und nach Plan vorgegangen werden. Dazu braucht es einen Ansager, der die Übersicht während des Spiels haben soll und auch im Zentrum des Geschehens aktiv ist, um die Mitspieler klar und verständlich zu erreichen.

Angesehener und akzeptierter Vertreter der gesamten Mannschaft:

Heißt, der Kapitän muss neben der Übersicht und dem taktischen Verständnis auch in jedem Teil der Mannschaft akzeptiert und respektiert sein, damit Kommandos und Ansagen auch von jedem Spieler angenommen werden.

Verantwortung übernehmen und fordern:

Dürfte sich irgendwie von selbst erklären. Als Kapitän muss man voran gehen, kontinuierliche Leistung zeigen und auch mal der Mannschaft in den Arsch treten können.

Wer nach diesem längeren Text noch dabei ist, sieht nun, dass die Kapitänsfrage keine einfache ist und nicht rein nach Beliebtheit oder Ansehen erfolgen kann, auch wenn dies Geromel und Podolski besitzen. Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass Podolski eine, fast schon unnormale, hohe Aufmerksamkeit in den Medien genießt, was keinesfalls nur Vorteile mit sich bringt. Und wie immer hat eine Ernennung pro und contra. Mit Sicherheit wäre es ruhig am Geißbockheim geblieben, hätte Podolski die Binde ohne Kommentar weiter getragen. Aber im Sinne Solbakkens Taktik und Verantwortung kann ich es schon verstehen, dass er einen Kapitän benannt hat, der im Zentrum des Geschehens agiert. Das hätten demnach ebenso Mohamad oder Riether sein können, die wie Geromel beide unangefochtene Stammspieler der Mannschaft sind.

Doch daneben spielt auch die Akzeptanz innerhalb des Teams eine wichtige Rolle. Keine Frage, Podolski ist das Aushängeschild des Vereins, die Fans lieben ihn und sein Talent wie Torriecher sind unbestritten einzigartig in Deutschland. Doch auch als Kapitän der Rückrunde war Podolski keinesfalls der einzige Garant für den Nichtabstieg. Innerhalb der Mannschaft dürfte er durch seine immer wieder abfallenden Gesten Richtung Mitspieler sowie seinen Auszeiten auf dem Platz nicht unumstritten als Kapitän gewesen sein, so schwer verständlich das auch dem ein oder anderen Fan sein mag.

Ich persönlich ziehe den Hut vor Solbakken. Von den Medien unbeeindruckt, im Sinne der Mannschaft und des konzeptionellen Umsetzen seiner Vorstellungen hat er den für ihn bestmöglichen Spieler zum Kapitän ernannt. Geromel ist ebenfalls ein Leistungsträger, bringt unbestritten konsequent seine Leistung auf dem Platz und dürfte in allen Teilen des Teams anerkannt sein. Einzig das "Arsch-treten"-Gen ist bisher bei ihm nicht zu erkennen.

Für mich ist es trotzdem schade und beinahe schon beschämend, wie die ortsansässigen Gazetten das Thema wochenlang breittreten und Meinung machen. Eine Info am Rande:

Der FC ist nicht der einzige Verein, der die K-Frage stellt. Bei 1899 Hoffenheim ist der Kapitän abwanderungswilig, in Dortmund agiert ein Kapitän ohne Stammplatz, bei den Bayern und dem HSV ist die Wahl des Kapitäns ebenfalls nicht unumstritten, dem Kapitäns von Gladbach wird ein Neuzugang mit Stammplatzanspruch vor die Nase gesetzt, Bremen, Augsburg und Nürnberg haben sich noch nicht entschieden, etc. etc…

Um die Diskussion kurz und schmerzlos abzurunden: "so what?"

In diesem Sinne
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